Westfälische Rundschau, 05.03.2002

Kinder-Tanztheater zwischen Unbekümmertheit und Disziplin

Natürlichkeit und Unbekümmertheit von 83 Jungen und Mädchen in der Choreografie der französischen Tanzpädagogin Annie Wilsch-Harnack und unter musikalischer Begleitung des Lüner Akkordeon-Orchesters von 1951 fanden am Sonntag tosenden Beifall im ausverkauften Theater. Nach einer Idee von Sabine Patschinsky entstand das Tanz-/Sprech-Theater "Aschenputtel". Die Kinder im Alter zwischen fünf und 15 Jahren überreichten ihrer Lehrerin jedes eine Blume zum Dank für ihre Geduld.

Foto: Günter Blaszczyk

Tanz-/Sprechtheater mit Akkordeonmusik

Kindliche Grazie in versierter Ballettkunst

LÜNEN. (-ff) Neun Monate lang hatten sie geprobt; am Sonntag war für die 83 Jungen und Mädchen zwischen 5 und 15 Jahren Premiere im Heinz-Hilpert-Theater mit dem Kinder-Tanz-Theater "Aschenputtel", das in einer Anlehnung an Walt Disney's Cinderella aufgeführt wurde. Im ausverkauften Haus bestach eine hervorragende Leistung der Choreografin Annie Wilsch-Harnack.

Mit 83 Kindern Schauspielkunst und Choreografie einzustudieren, ist eine pädagogische Leistung, zu der viel Motivation und Energie gehören und der höchste Anerkennung gebührt.
In Kooperation mit dem Akkordeon-Orchester Lünen 1951 unter der Leitung von Andreas Patschinsky ist dieses Tanz-Theater-Stück entstanden. Die Musik dazu schrieb Sabine Patschinsky.
"Die von Müttern angefertigten Kostüme für Prinzen und Prinzessinnen, Blumen, und Schmetterlinge, Mäuse, Vögel und weiteres Getier sind in liebevoller Arbeit entstanden", erklärte die gebürtige Französin und lobte die Zusammenarbeit mit den Eltern.
Diese mitsamt Großeltern und Verwandten, die den

Zuschauerraum füllten, fieberten sicherlich ebenso nervös der Aufführung entgegen, wie die kleinen Darsteller. Aber die Sorge um Patzer der Sprösslinge war unbegründet. Die Unbekümmertheit und Natürlichkeit der Kinder sprachen ihre eigene Sprache.
Auffallend war die Dominanz der weiblichen Darstellerinnen. Die einzigen "männlichen Tänzer", Thomas Ernst und Patrick Rizzo, mussten sich wahrscheinlich erstmals in ihren jungen Jahren gegenüber 81 weiblichen Rollen behaupten. Sie ließen sich aber augenscheinlich von so viel Weiblichkeit nicht beirren.
Das als Sprech-/Spielstück ausgerichtete Tanz-Theater zeigte einen harmonischen Wechsel zwischen Spiel- und Lesephase. Sprecherin Barbara Reher las szenenweise aus "Aschenputtel" der Gebrüder Grimm vor.
Vor etwa fünf Jahren hatte Sabine Patschinsky erstmals die Idee zu einem musikalischen Kinder-Tanz-Stück: Auch "Schneewittchen" setzte sie mit Wilsch-Harnack in Begleitung des Akkordeon-Orchesters um, doch: "Der Umfang des damaligen Arrangements stand in keinem Verhältnis zu der diesjährigen Aufführung", resümierte Sabine Patschinsky.

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